Dichtercafé

Dr. Faustus

Sonntag, 13.12.2020 · 11 und 16.30 Uhr

Tafelhalle, Nürnberg

Dichtercafé mit Tristan Vogt

Text  Thomas Mann Dr. Faustus
Musik  Ludwig van Beethoven Sonate c-Moll op.111

Klavier  Arne Torger
Lesung und Textauswahl  Tristan Vogt

Im Beethoven-Jahr 2020 geradezu ein „Muss“: Thomas Manns berühmter Roman, die vermutlich ambitionierteste Musikerbiographie der Literaturgeschichte, in der Ludwig van Beethoven, der vor 250 Jahren geborene Komponist, eine ganz besondere Rolle spielt. Es ist eine sehr vielschichtige und komplexe Erzählung, mit der Thomas Mann 1947 die Idee eines Faustromans, seine lebenslange Auseinandersetzung mit Musik und die deutsche Katastrophe im Zweiten Weltkrieg miteinander verbindet:
Der fiktive Komponist Adrian Leverkühn geht, wie der Faust des Volksbuchs von 1587, einen Pakt mit dem Teufel ein, aber nicht wie Goethes Faust um letzter Erkenntnisse willen, sondern um den „Durchbruch zur Genialität“ zu schaffen: Der Autor lässt seinen Protagonisten unter anderem die Zwölftonmusik erfinden – was übrigens den realen Erfinder derselben, Arnold Schönberg, so verdross, dass Thomas Mann sich genötigt sah, seinem Buch einen entsprechenden Hinweis anzufügen.
Doch Thomas Mann geht es auch um den „Teufelspakt der Deutschen mit Hitler“, der Erzähler und Jugendfreund des Komponisten beschreibt tagebuchartig beides, Leben und Ende des Komponisten einerseits, den Untergang des Hitlerreichs andererseits. Unter Germanisten wird bis heute diskutiert, inwieweit diese Verbindung zweier disparater Themen als sinnvoll und literarisch geglückt anzusehen ist.
Und Beethoven? In einem hinreißenden Kapitel des Romans wird vom Musiklehrer der beiden Jugendfreunde namens Wendell Kretzschmar klug und suggestiv, aber auch ungeheuer komisch, des Meisters letzte Klaviersonate Opus 111 analysiert. Thomas Mann ließ sich dabei vom Musiktheoretiker Theodor W. Adorno fachlich beraten, weshalb er auch das berühmte Dreitonmotiv des zweiten Satzes zu den Silben „Wie-sen-grund“ – Adornos zweitem Vornamen – skandieren lässt.
Eben diese Sonate wird die „Begleitmusik“ dieser Dichterlesung sein wird. Spielen wird sie der Pianist Arne Torger ­– unserem Publikum wohlbekannt durch seine unvergessliche Aufführung aller 32 Beethoven-Klaviersonaten in den Jahren 2012 und 2013.

Vorschaubild © Bruno Weiss

Karten ab 23.9. an allen Vorverkaufsstellen
Normal: 25 € / Ermäßigt: 20 €     
Vorverkauf: 21 € / Ermäßigt: 16 €