Christian Sauer, Stefan Danhof · ensemble KONTRASTE, Adeline Schebesch

Dichtercafé

Wahlverwandschaften

Sonntag, 16.02.2020 · 16.30 Uhr

Tafelhalle, Nürnberg

Dichtercafé mit Adeline Schebesch

Text  Johann Wolfgang von Goethe  Wahlverwandschaften
Musik  L. v. Beethoven Streichquartett F-Dur op.18,1
John Cage Streichquartett


Chemische Elemente können beim Kontakt mit anderen Stoffen ihre bestehenden Bindungen lösen und sich mit neuen Elementen „wahlverwandtschaftlich“ verbinden. Goethe nahm dies als Vorlage für ein Gedankenexperiment: Er bringt zwei Männer und zwei Frauen zusammen und beobachtet, wie sie auf die wechselseitigen Anziehungskräfte reagieren. Heute würde man sagen, dieser Roman handle von Männer- und Frauenrollen, von ihren Phantasien und ihren Wünschen – und deren Unvereinbarkeit.
Der Roman spielt auf dem Landgut des reichen Barons Eduard. Das in zweiter Ehe glücklich verheiratete Paar Charlotte und Eduard nimmt Eduards alten Freund bei sich auf, den in Not geratenen Hauptmann Otto, dazu auch Charlottes Pflegetochter Ottilie. Bald beginnt ein Kräftespiel der „Wahlverwandtschaften“ – Eduard und Ottilie fühlen sich voneinander ebenso angezogen wie Charlotte und Otto. Während letztere ihr Gefühl zu zügeln versuchen, ergeben sich Eduard und Ottilie ihrer unheilvollen Leidenschaft. Der Konflikt zwischen Leidenschaft und Vernunft führt ins Chaos – und zu einem tragischen Ende.

Adeline Schebesch vom Staatsschauspiel Nürnberg wird uns diesen klassischen Roman nahebringen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Kammermusik von Goethes Zeitgenossen Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag ansteht, und von einem wahren „Antipoden“, dem Amerikaner John Cage:

Beethovens sechs Streichquartette op. 18, um das Jahr 1800 entstanden, markieren den Beginn der Auseinandersetzung des Komponisten mit diesem Genre, das ihn schließlich in die Abgründe seiner berühmten „späten Quartette“ führen sollte. Doch in op. 18 bewegt er sich bei aller Originalität noch in dem von Mozart und Haydn abgesteckten Rahmen, er befindet sich gewissermaßen auf dem Weg zu seinem Stil – kennzeichnend dafür ist, dass er die Erstfassung seines op. 18/1 schnell verwarf und eine überarbeitete Version schuf, weil er „erst jetzt Quartetten zu schreiben weiß“, wie er einem Freund mitteilte.
Der in Los Angeles geborene Amerikaner John Cage (1912–1992) war einer der originellsten und aufregendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er erfand das präparierte Klavier, führte den Zufall ins Komponieren ein, und er stellte praktisch alle herkömmlichen Prinzipien der Kunstmusik in Frage, beispielsweise auch das Verhältnis von Künstler und Publikum.
Sein Streichquartett entstand um das Jahr 1950, die vier Sätze korrelieren jeweils mit Jahreszeiten und Orten, beispielsweise nennt er den ersten Satz „Sommer in Frankreich“ –  aber nicht im Sinne programmatischer Illustrierung, sondern als philosophische Metapher. Die rhythmische Struktur ist mittels Zahlenreihen und Proportionen streng festgelegt, den Höreindruck hat ein Kritiker mit der „Flüchtigkeit schnell wechselnder Bilder“ beschrieben.

Vorschaubild Adeline Schebesch © Ludwig Olah

Karten: Normal 22 € / Ermäßigt 14 €
Vorverkauf: 19 € / 12 €