Anke Trautmann © Felix Röser

Dichtercafé

Hymnen an die Nacht

Sonntag, 01.11.2020 · genaue Uhrzeiten folgen

Tafelhalle, Nürnberg

Dichtercafé mit Adeline Schebesch

Texte  Novalis, Rainer Maria Rilke, Charles Baudelaire, Lord Byron u.a.
Musik  Carl Reinecke Sonate op. 167  „Undine“, Franz Schubert, u.a.

ensemble KONTRASTE
Flöte  Anke Trautmnann
Klavier  Philipp Heiss

Lesung und Textauswahl  Adeline Schebesch
 

„Abwärts wend’ ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht ... Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüts hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich fühlen wir uns bewegt ...“
Das sind einige Zeilen des Dichters Novalis, der seine Hymnen an die Nacht, die vielleicht wichtigste frühromantische Dichtung, im Jahr 1800 veröffentlichte, kurz bevor er, erst knapp 29 Jahre alt, im Jahr 1801 starb. In sechs Hymnen erschafft Novalis aus verschiedenen biographischen, geistigen und philosophischen Einflüssen ein Weltverständnis, das man als „frühromantische Mythologie“ bezeichnet hat: Die früh verstorbene Verlobte, Licht und Dunkel, Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Pietismus und Christusbild – all das fließt zusammen in Novalis nicht leicht verständlicher mystischer Erkenntniserfahrung und mythischer Geschichtsvision – mit der Nacht als dem Element allen Lebens.
Offensichtlich ist es die Nacht, die letzte Fragen nach Existenz und Lebenssinn stärker evoziert als der helle Tag, Rainer Maria Rilke beendet ein Gedicht gar mit den Worten: „Ich glaube an Nächte“. Die Nacht hat tausend Seiten: Es kann die Zeit des Unheimlichen und Unbewussten sein, die Zeit dunkler Ahnungen, von Einsamkeit und Verlassenheit – und schierer Angst, wie sie wohl unsere Vorfahren erlebt haben, die noch echte Finsternis kannten. Doch es ist auch die Zeit des oft besungenen milden Mondlichts und seiner tröstlichen Wirkung.
Nicht zuletzt ist die Nacht die Zeit der Liebe und der Sinnlichkeit. Bei Baudelaire betäubt sich jemand gar im sexuellen Rausch, wenn er „in der Nacht im Halle der Glocke der Lüste zur Schatzkammer deiner Brüste“ sich schleichen möchte.
Zurück zur Romantik, die mit ihrem Hang zu Poesie, zu Zauber und Irrationalem die Nacht in besonderer Weise für sich entdeckt hat: Nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Musik, deren Element ja schlechthin das jenseits tagheller Ratio liegende Empfinden ist. Deshalb wird Musik der Romantik, für Flöte und Klavier, den Abend begleiten, exemplarisch sei Franz Schubert genannt, bei dem in auffällig vielen Kompositionstiteln das Wort „Nacht“ steht.  

Vorschaubild Adeline Schebesch © Ludwig Olah

Karten ab 1.9. an allen Vorverkaufsstellen
Normal: 25 € / Ermäßigt: 20 €     
Vorverkauf: 21 € / Ermäßigt: 16 €