Stummfilm - Musik - Projekte
STUMMFILM - der Begriff ist irreführend, denn der Stummfilm war nie stumm. Schon bei der ersten Filmvorführung der Brüder Lumière im Dezember 1895 begleitete ein Klavierspieler die kurzen Streifen. So wie sich bis zur Einführung des Tonfilms Ende der zwanziger Jahre sowohl die Filmindustrie als auch die künstlerische Qualität der Filme rasant entwickelte, gilt dies auch für die musikalische Begleitung der Filme. Spielten anfangs noch einzelne Musiker oder kleinere Ensembles, wurde die Begleitung durch ein Orchester in den Metropolen bald zur Selbstverständlichkeit. Man baute prunkvolle Filmpaläste, in denen Filmorchester mit bis zu hundert Mitwirkenden Platz fanden und allabendlich für die musikalische Begleitung sorgten. Eine neue Gattung unter den Musikern entstand: der Filmkomponist, der Filmmusikarrangeur, der Kinokapellmeister, ganz allgemein der Filmmusiker. Es entstanden anspruchsvolle Partituren für ambitionierte Filmprojekte, es wurde eine Akademie für Filmmusik in Berlin gegründet und eine Reihe von Büchern herausgegeben, die sich theoretisch und praktisch mit Filmmusik beschäftigten. Daher wäre es damals absurd erschienen, einen Stummfilm stumm aufzuführen.

Die Musik wird zu einem gleichwertigen Partner des Films. Sie geht weit über die Bebilderung hinaus, lebt durch ihre Eigenständigkeit und tritt in eine selten gehörte und daher faszinierende Partnerschaft zum Bild. Sie entlockt mit ihrer Kraft und Stringenz dem bewegten Bild neue Facetten, übernimmt die Führung.
Eine vergessene Kunst wurde wieder entdeckt und zugleich ein emotionales Ereignis geschaffen, indem die Stummfilme entweder mit ihrer seinerzeitigen oder einer neuen Musik aufgeführt wurden. Die Stummfilmrezeption entwickelte sich von der heiligen Aura der Cinematheken weg zu einem Gemeinschaftserleben und Erlebnis unterschiedlichster Publikumsschichten. Dies wurde gefördert durch die Präsentation solcher Projekte in Opern- und Konzerthäusern, im Theater oder als Open Air-Veranstaltung, da die Filmpaläste vergangener Zeiten zerstört oder nicht mehr verfügbar waren und heutige Kinos nicht die notwendigen Vorraussetzungen bieten können.

