Kritik zu "LUFT-Konzerte EXTRA"
Nürnberger Zeitung
Belebende Therapie
Das vergnügliche „Kurkonzert“ vom ensembleKONTRASTE
Wäre da nicht der Beweis des vorliegenden Jahresprogrammes — fast könnte man meinen, das ensembleKONTRASTE hätte sich die Stückabfolge kurzentschlossen ausgewählt, um sich an diesem Mittwochabend in der Katharinenruine selbst zu feiern. Soeben gekürt mit dem Stipendiums-Preis der Stadt Nürnberg kam etwa das frisch gezapfte Landbier im Schonbergs Musikgroteske „Eiserne Brigade“ paradiesisch recht. 1916 hatte Arnold Schönberg fur den eigenen Kameradschaftsabend dieses fast kabarettreife Kurzstück geschrieben: Salonhaft wienerisch hebt ein Klavierquintett an, während auf der Bühne parallel dazu kraftig gezecht und gesungen wird. Und wenn schließlich die Blicke immer tiefer ins zügig geleerte Bierglas stieren, verwandelt sich die Streicherlandschaft in einen Kuschelzoo, aus dem es maunzt, kräht und bellt: Ein tierisches Vergnügen. Aber hatte es nicht bereits animalisch begonnen? Das Schubertsche Forellenenquintett zählt zu den wohl bekanntesten Stücken der Musikliteratur: Allerdings nur dessen Andantino und die sich anschließende Variation. Was vorher und danach alles passiert, riefen die von Jessica Hartliebs Violine souverän angeführten Begleiter in einer ausgewogenen und belebten Ausführung in Erinnerung. „Welch ein Graus, ich halt’s nicht mehr aus!“ Ganz und gar nicht einverstanden schien die Sopranistin Evgenia Grekova mit den musikalischen Avancen durch Sibrand Basa zu sein. Doch die Zuhörer wurden mit Jacques Offenbach durch die ironisch gebrochene Welt der Operette geführt: Roland Boer, Kapellmeister an der Frankfurter Oper, hat aus Offenbach- schen Werken mit viel Witz und Wiederkennungseffekt ein „Liebe-Stiefel-Zwiebeln“-Potpourri zusammengestellt. So konnte das „Kurkonzert“ an dieser Stelle als melodischer Wellness-Trip therapieren, bei dem sich die charmant vorgetragenen Charakterrollen am Ende im Behandlungsraum Unterwelt vereinten. Wolfgang Gayler zeigt mit dem aufs Kurorchester-Format angewachsenen ensembleKONTRASTE ein hörbares Vergnügen an Wortspielen und belebenden Heilanwendungen in Dur und Moll. Es muss eben nicht immer Ayurveda sein.
löw