Kritik zu "Porgy and Bess"

Nürnberger Nachrichten

Wenn’s im Kopf hämmernd stürmt
Gershwin-Hommage in Nürnberg

„Sonst noch Fragen?“ Edward Partyka blickt in die berstend volle Tafelhalle und hat den Saal längst mit trockenem Humor auf seiner Seite. Nein, keine Fragen mehr. Eher Beifallsorkane für den Amerikaner, dem es zum zweiten Mal gelang, aus Sunday Night Orchestra und „ensembleKONTRASTE“ eine vitale Einheit zu formen.

George Gershwin als Leitstern und Schanier zwischen sinfonischer und swingender Weltsicht. Die „Rhapsody in Blue“ erhält sich auch im massiven Bläsersatz (Arrangement: Bill Holman) ihre überspannte Gereiztheit wie atemlose Vitalität. Zumal Stefan Danhof die Qualitäten einbringt, die es braucht: Bei ihm verbinden sich rhythmische Stringenz und pianistische Brillanz zu einer farbenreichen, funkensprühenden Mixtur.

Tod in Töne gesetztOhne Streicher wirkt alles greller, auch massiver, aber eben nicht gewalttätiger, weil Partyka auf swingenden Fluss und Tiefenschärfe achtet. Die Brachialität, die wenig später um sich greift, ist gewollt: In zwei ausgedehnten Sätzen behandelt Partyka Gershwins frühen Tod. Der Komponist starb 38-jährig an einem Gehirntumor, und genau das verarbeitet „Gershwin‘s Death“. Zunächst variiert Partyka dessen letzte Rumba zu einer fulminanten Hommage mit „I got rhythm“-Feeling, bevor in „Most Likely Hysteria“ auf die Hilflosigkeit Bezug genommen wird, mit der die Umwelt auf die tödliche Erkrankung reagierte.

Stürme im Kopf: Da hämmerts, Stimmen schwirren umher, münden in unverständliche Schreie, Donner übertönt alles, Noten fliegen durch die Luft, keine Koordination mehr, bis sich alles in die gespenstische Ruhe fahler Tamtam-Schläge verflüchtigt. Damit geht’s heute ins Funkstudio. Das ausführliche „Porgy and Bess“-Arrangement von Gil Evans für Miles Davis wirkt da fast schon überladen und wenig kontrastarm. Aber was lässt sich schon gegen die Macht unsterblicher Meldodien machen? Zum Beispiel neue schreiben . . .

j.v.